Wasserkraftpläne bedrohen die Illersanierung

Die Iller als Alpenfluss stellt in unserer Region eine Lebensader von besonderer Bedeutung dar. Naturnahe Flüsse mit ihren Auen gehören zu den ökologisch wichtigsten Lebensräumen mit einer einzigartigen Strukturvielfalt. Nach der in der Vergangenheit durchgeführten Begradigung der Iller mit Errichtung von Querbauwerken als ökologische Barrieren ist in den letzten Jahren durch aufwändige Sanierungsmaßnahmen wieder ein in Teilen frei fließender Fluss geworden.

Die Renaturierung des Grenzflusses Iller wird vom bayerischen und baden-württembergischen Naturschutz seit 20 Jahren gemeinsam erfolgreich vorangetrieben. Besonders im Bereich zwischen Illertissen und Vöhringen wurden zahlreiche Querbauwerke durch natürliche, für Fische durchgängige Rampen ersetzt und die Wiedervernässung des Auwaldes eingeleitet.

Diese Erfolgsgeschichte des grenzüberschreitenden Naturschutzes ist nun durch ein kommerzielles Wasserkraft-Projekt bedroht! Im Dezember 2016 hat das Landratsamt Alb-Donau-Kreis die Genehmigung für den Bau eines Schachtkraftwerkes erteilt. Es soll an einem Querbauwerk die im Mutterbett der Iller verbleibende Restwassermenge zur Energiegewinnung nutzen. Bereits heute werden über 80% der gesamten Wassermenge über den Illerkanal zur Stromerzeugung genutzt.

Antragsteller ist die auf Finanzberatung spezialisierte Münchner Firma Fontin, die bereits im Jahr 2009 mit dem Antrag zum Bau neuer Illerkraftwerke scheiterte. Das damals beim Landkreis Neu-Ulm durchgeführte Verfahren war an der breiten Ablehnung aller beteiligten Kommunen, Naturschutz- und Fischereiverbände gescheitert. Nun hat Fontin in Dietenheim bei Fluss km 23,4 am einzigen möglichen Standort, der ganz auf baden-württembergischer Seite liegt, einen Schwachpunkt ausgemacht und dort tatsächlich eine Baugenehmigung erhalten. Entgegen der Gewohnheit, an allen Bauvorhaben in und an der Iller immer beide Seiten zu hören, wurden die bayerischen Verbände dazu erstmals nicht befragt. Auch die Auswirkungen auf das Flusssystem der Iller und das FFH-Gebiet "Untere Illerauen" wurden vor der Genehmigung nicht geprüft. Da dies bei Bauvorhaben dieser Größe unzulässig ist, haben wir gegen die Genehmigung Klage eingereicht.

Die Kreisgruppe Neu-Ulm kritisiert diese Planung wegen der gravierenden negativen Auswirkungen auf das Gesamtvorhaben der Illersanierung auf das Schärfste!

Wir sehen in diesem Vorhaben ein Anlageprojekt mit rein finanziellem Hintergrund, das wegen des geringen zu erwartenden Stromertrags keinen erkennbaren Beitrag zur Energiewende leisten würde. Der verschwindend geringe Anteil solcher Kleinkraftwerke an der Stromerzeugung in Bayern (ca. 1,5 % bei über 4.000 Anlagen) kann die fatalen ökologischen Folgen solcher Anlagen niemals aufwiegen. Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. lehnt daher den Bau neuer Wasserkraftwerke grundsätzlich ab.

www.bund-naturschutz.de/wasser/wasserkraft.html

Sollte dieses Kraftwerk tatsächlich gebaut werden, würde damit ein Präzedenzfall geschaffen, der zahlreichen weiteren Anlagen den Weg ebnet, die Existenz der Querbauwerke über viele Jahrzehnte zementiert und so die Renaturierung im gesamten Unterlauf der Iller zunichte machen würde. Auch läuft das Projekt der europäischen Wasserrahmenrichtlinie mit dem Ziel eines "guten ökologischen Zustands" unserer Flüsse gänzlich zuwider.